Der Kundenkreis im Gaggenauer Laden erweitert sich rasant / Angebot ist ausreichend

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Mehr Weissbrot, weniger Wurst: Viele Flüchtlinge nutzen das Angebot der Gaggenauer Tafel und besuchen den Laden in der Bahnhofstraße - mit etwas anderen Vorlieben als die Stammkunden.

Die steigende Zahl der Flüchtlinge im Murgtal ist auch in der Gaggenauer Tafel zu spüren: Allein in diesem Jahr sind zu den 50 bisherigen Kunden, die an zwei Tagen der Woche kommen, rund 30 Flüchtlinge hinzugekommen, erklärt der Vorsitzende Josef Hartmann. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 50 Prozent. Weil mit den Lebensmitteln meist auch die Verwandten versorgt werden, profitieren zwischen 300 bis 400 Personen von den Einzelkäufen, betont der Vorsitzende.

Einen Engpass bei der Warenausgabe gibt es dennoch nicht. "Wir haben bislang keine Probleme, bei uns läuft es gut", bilanziert Hartmann. Lediglich vor der Türe herrsche mitunter ein wenig Gerangel. "Im Laden selbst läuft dann aber wieder alles geordnet ab." Vor dem Eingang des Tafelladens in der Bahnhofstraße werden die Kunden in zwei Gruppen aufgeteilt und bekommen gerade und ungerade Zahlen zugewiesen. Nicht jeder beherrsche das System. Vor allem die Sprachbarriere sei das Hauptproblem. Einen Dolmetscher, wie ihn sich andere Tafeln wünschen, sei in Gaggenau nicht notwendig. "Letztlich können wir uns immer irgendwie verständigen", sagt der Vorsitzende. Entsprechende Flyer über die Vorgehensweise in den Läden gebe es auch auf arabisch oder serbisch. Außerdem überlegt die Tafel, Piktogramme etwa für verschiedene Fleisch- und Wurstsorten über den Regalen anzubringen.

Zwar haben in den Vergangenen Jahren seit der Gründung der Tafel 2008 - damals noch im Verbund mit der Rastatter Tafel - immer mehr Einzelhändler und Discounter den Lieferantenpool vergrößert, und auch die Zahl der Geldspenden aus der Bevölkerung ist gestiegen. Die Sachspenden allerdings könnten ruhig mehr werden, wünscht sich das Gaggenauer Tafel-Team. Denn im Prinzip will sich die Tafel trotz des veränderten Kundenstamms treu bleiben: "Wir kaufen keine Ware, sondern sammeln die ein, die sonst weggeworfen wird", betont Hartmann. Denn es gehe darum, die Verschwendung von Lebensmitteln einzudämmen. Vor allem länger haltbare Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Salz, Teigwaren, Reis, Essig, Öl, Konverven, Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, aber auch Alltagsutensilien wie Kosmetikartikel, Malstifte, Blöcke oder Kulis sind gefragt.

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Reichhaltiges Angebot: Ehrenamtliche Helferinnen packen Kisten im Warenlager der Gaggenauer Tafel auf dem Daimler-Benz-Grundstück in der Unimogstraße.

Wie lange das Warenangebot für den erweiterten Kundenstamm noch ausreicht, sei schwer zu sagen. Hartmann ist aber zuversichtlich, dass auch künftig eine ausreichende Versorgung möglich ist. Zur Not müsste man die Ausgabe etwas einschränken. Grundsätzlich, das betont der Tafelchef, unterscheide man nicht zwischen den Nationalitäten. Es zähle allein die Bedürftigkeit.

Voraussetzung, um bei der Tafel einen Berechtigungsausweis zu erhalten, ist der Nachweis der Bedürftigkeit durch einen Bescheid des Sozialamts. Flüchtlinge müssten eine Bescheinigung der Erstaufnahmestelle vorlegen. Dabei werde die Gültigkeit ständig geprüft. Die ehrenamtlichen Tafelmitarbeiter freuen sich über den erweiterten Kundenkreis: "Wir spüren eine große Dankbarkeit unter den Flüchtlingen", sagt Hartmann.