Alle Jahre wieder bescheren die Schüler der Merkurschule Ottenau die Kunden der Gaggenauer Tafel und deren Kinder. Josef Hartmann, Leiter der Gaggenauer Tafel, freute sich auch in diesem Jahr über den Caddy, der voll beladen mit haltbaren Lebensmitteln war.

In den Behältern stapelten sich Zucker, Mehl, Teigwaren, Essig, Öl, Kaffee, Tee, Kekse und vor allem auch Schokolade. Josef Hartmann bedankte sich im Namen aller Tafelkunden und gab seiner großen Freude darüber Ausdruck, dass die Ottenauer Merkurschule jetzt schon zum fünften Mal diese Weihnachts-Aktion gestartet hat. Selbst Zahnpasta und Katzenfutter waren in der Schule unter dem Weihnachtsbaum zu finden. Luka Spionak und Nina Kremser sowie Grundschullehrerin Simone Schmidt organisierten und sammelten drei Wochen lang für diese Bescherung. Wie Luca Mackert (im Bild-Vordergrund mit der goldenen Kiste) bastelten einige der Schüler für diese Aktion und schrieben auch liebevolle Weihnachtskarten.

presse merkurschule ottenau 2018

Die Schüler der Merkurschule mit ihren Lehrern und Josef Hartmann, dem Leiter der Gaggenauer Tafel

Weihnachtsessen für Bedürftige im Gemeindesaal von St. Josef

presse ein reich gedeckter tisch

Viele Sponsoren und Ehrenamtliche hatten dafür gesorgt, dass das Weihnachtsessen
für Bedürftige für jeden Geschmack etwas zu bieten hatte

Gutes Essen ist sehr wichtig, findet Agostino Mimmo und tafelt schon seit längerem mächtig auf. Jeder, der sich sonst ein feudales Essen "mit allem Drum und Dran" eher nicht leisten kann, der war eingeladen, am reich gedeckten Tisch unterm Dach von St. Josef Platz zu nehmen.

Dass es ausreichend Geschirr, liebevolle Deko, die am Ende mitgenommen werden durfte, reichlich mit Leckereien befüllte Teller und vieles mehr gab, dafür zogen ganz viele Sponsoren und vor allem Ehrenamtliche an einem gemeinsamen mächtig dicken Strang.

"Wir machen das ja nicht zum ersten Mal", sagt Agostino Mimmo angesichts des üppigen Buffets, das im weihnachtlichen Gemeindesaal entstand. Ein besonderes obendrein. Es lud die Menschen zum Essen ein, die sonst kaum Gelegenheit haben in einem Restaurant zu speisen. Und darum geht's, erklärt der Chef von Toni's Pizza Express, der fest zum Kern von Gaggenau gehört. Auch in Sachen sozialer Verantwortung, die hier gezeigt wurde. Ganz nach Gusto durfte hier jeder wählen. Putenfleisch, Salate, Beilage, Pizzabrot und vieles mehr schuf eine gute Grundlage um gemütlich beieinander zu sein. Eine kleine Gruppe älterer Damen hatte am Ende eines der langen mit Damast eingedeckten Tische Platz genommen.

Zwischen einer Fülle von Weihnachtssternen und grünen Zweigen, welche die Gärtnerei Kamm beigesteuert hatte, Weihnachtskugeln und Engelchen, die Ulrike Tobisch-Kohlbecker vom Basar der Soroptimisten beschaffen konnte, fanden schließlich auch ihre voll beladenen Teller noch ein wenig Raum. "Wir kommen jedes Jahr", verriet eine der Damen, dass die Zusammenkunft als solche für sie das besondere Highlight sei.

Unter den Gästen befanden sich auch viele Asylbewerber und Neubürger. Aus Afghanistan stammen ihr Mann und sie, berichtet eine junge Frau, die durch eindrucksvolle Deutschkenntnisse beeindruckt und zwischenzeitlich, nach einer Überbrückungsphase im Bad Rotenfelser Ochsen längst Fuß gefasst hat in Deutschland. Mit Mann und dem zweijährigen Sohn lebt sie nun in einer eigenen Wohnung. Doch, Weihnachten, das kenne sie wohl. "Wir sind Christen", lautet die Erklärung hierzu.

Es wurde immer wieder die Gelegenheit genutzt, miteinander ins Gespräch zu kommen, während die kleinen Gäste sich quasi als Nachspeise bei Kindgenau auf allerlei Weise betätigen konnten. Getränke, Deko, Essen und vieles mehr gab es also, was die verschiedensten Institutionen bis hin zur Stadt und zur Tafel zusammengetragen hatten. So stand nach einer kleinen Ansprache vom Vorsitzenden der Tafel, Josef Hartmann, und kurzen Worten von Matthias Richzenheim von der Katholischen Seelsorgeeinheit Gaggenau einem gesegneten Appetit nichts mehr im Wege.

Diskret im Hintergrund hielt sich Agostino Mimmo, der sich gemeinsam mit seinem Bruder schon seit 22 Jahren in der sozialen Verantwortung sieht. Seither richten sie traditionell ein solches Weihnachtsessen aus. Als er vor sechs Jahren nach Gaggenau kam, knüpfte er die notwendigen Kontakte. Zum vierten Mal füllte er nun bereits die Teller der besonderen Gäste.

Der Arbeitskreis des Projekts "Miteinander macht's einfach" führte eine Back- und Verkaufsaktion durch. Teilnehmer des Arbeitskreises, Senioren des Gerhard-Eibler-Hauses und Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde fertigten Weihnachtsgebäck und Linzertorten an. Das Gebäck wurde mit einem Erlös von rund 550 Euro beim Josef-Treff verkauft. Dieses Geld wurde nun in Form von 100 Taschen übergeben, gepackt mit Lebensmitteln wie Mehl, Zucker oder Konserven.

presse 100 gepackte tueten

Taschen, gepackt mit verschiedenen Lebensmitteln, werden an Vertreter des Gaggenauer Tafelladens übergeben

presse 10 jahre vorstandsteam

Das Vorstandsteam mit Hedda Koch, Dr. Helmut Koch, Heidemarie Rahner, Christian Ott und Hans Jürgen Zink (v.l.n.r.)

presse 10 jahre tafelladen

Tafelladen-Mitarbeiterinnen bei der Einweihung der neuen Räume in der Unimogstraße

"Ich bin stolz auf Sie. Sie sind ein Teil der Integration. Das Lob kann nicht groß genug sein", so Oberbürgermeister, Christof Florus, bei der Jubiläumsfeier "10 Jahre Gaggenauer Tafel" am vergangenen Sonntag im Gemeindezentrum St. Josef. In einer Talk-Runde, moderiert von Kathrin Hondl, Journalistin und Mitarbeiterin bei SWR2, wurde die Entwicklung der Gaggenauer Tafel als Erfolgsgeschichte der 70 ehrenamtlichen Mitarbeiter deutlich.

Sie arbeiten in unterschiedlichen Abteilungen, sind das ganze Jahr über bereit, Lebensmittel in Supermärkten und Geschäften abzuholen, diese zu sortieren, zu lagern, zu kühlen, in den Tafelladen zu bringen und schließlich zu Niedrigstpreisen zu verkaufen. Über 1.000 Ausweise wurden in diesen zehn Jahren an Tafelkunden ausgestellt, an Senioren, junge Familien mit Kindern, ältere Paare, Singles und vor allem an Menschen der unterschiedlichsten Nationalitäten. Ein Einkauf dienstags und/oder freitags hilft diesen Menschen mit geringem Einkommen besser über die Runden zu kommen. Das Angebot im Tafelladen garantiert eine gesunde und vitaminreiche Ernährung. Neben der Frischware gibt es Tiefkühlkost und haltbare Nahrungsmittel, die den Speisezettel reichhaltig ergänzen. Jährlich beträgt die Lebensmittelmenge zwischen 80 und 100 Tonnen. Spenden von verschiedenen Firmen, Schulen, Kindergärten, ähnlichen Organisationen und auch Privatpersonen ermöglichen gerade zu besonderen Feiertagen Geschenke; sowohl Nahrungsmittel, manchmal auch Textilien und Waren des täglichen Bedarfs.

Die Anfänge der Gaggenauer Tafel

Der Ursprung der Gaggenauer Tafel liegt beim DRK, Ortsverein Gaggenau. Eine Tafelkundin, die bei der Rastatter Tafel einkaufte, fragte Hans Jürgen Zink, damals Vorstand beim DRK, warum es so etwas nicht in Gaggenau gäbe. Es wurde Kontakt mit der Rastatter Tafel aufgenommen. Im Januar 2008 fand ein erstes Treffen im Evangelischen Gemeindehaus statt. Jans Jürgen Zink, Horst Neuendorf, Pfarrerin Lamm-Gielnick und Dr. Helmut Koch informierten die Anwesenden, die sich in Namenslisten eintrugen. Bei einem zweiten Treffen wurde es bereits konkreter und bald öffnete unter der Regie der Rastatter die Gaggenauer Tafel in den Verkaufsräumen der ehemaligen Bäckerei Wilhelm in der Bahnhofstraße 2. Zum Leitungsteam gehörten Hedda und Dr. Helmut Koch, Heidemarie Rahner, Christian Ott und Hans-Jürgen Zink. Schon bald fanden Überlegungen statt, die Gaggenauer Tafel aus der Rastatter herauszulösen. Eine Heimat fand man 2009 im DRK Ortsverein Gaggenau, der bereit war die Trägerschaft zu übernehmen. Nach erfolgreicher Zusammenarbeit strebte das Leitungsteam, das inzwischen unter dem Vorsitz von Josef Hartmann tagte, die Selbständigkeit an. 2014 übernahm der Verein Murgtal Tafel Gaggenau die Trägerschaft der Gaggenauer Tafel.

Ehrenamtliche leisten jährlich über 12.000 Stunden

Den Vorstand bilden heute: Josef Hartmann, erster Vorsitzender, Jürgen Schönfuß, zweiter Vorsitzender, Thomas Seifert, Schatzmeister, Heinrich Nagel, Schriftführer. Der Vorstand wird vom Leitungsteam unterstützt: Die sechs Marktleiterinnen, Gudrun Heitz, Heidi Horcher, Angelika Maier, Bettina May, Franziska Milich und Heidemarie Rahner (zugleich auch Hygiene-Beauftragte) sind für den Tafelladen zuständig. Dienstags und freitags arbeiten sie zusammen mit ihren Teams von morgens 9 bis nachmittags 16 Uhr. Jürgen Schönfuß koordiniert den Fahrdienst, der die Waren in Geschäften, Bäckereien und Supermärkten abholt. Technischer Dienst und Lager obliegen Jakob Milich. Roland Graetz betreut das Personal, während Ulrike Tobisch-Kohlbecker für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Brigitte Mock ist Beirätin, ebenso Hugo Merkel, der für die Arbeitssicherheit zuständig ist. Waltraud Hartmann besorgt die Materialien. Während des Geschäftsjahres finden mehrere Sitzungen des Teams unter der Leitung von Josef Hartmann statt, in denen das operative Geschäft, Wirtschaftspläne und Strategien besprochen werden. Die Ehrenamtlichen der Gaggenauer Tafel leisten jährlich 12.000 Arbeitsstunden. Das Jahresbudget der Tafel beträgt rund 50.000 Euro, wobei ein Teil durch die Verkäufe im Tafelladen gedeckt wird, der Rest muss über Spenden finanziert werden.

Zusammen mit der Katholischen Seelsorgegemeinschaft richtet die Gaggenauer Tafel ein Weihnachtsessen für Tafelkunden, Obdachlose und bedürftige Menschen aus. Das Menü spendet Mimmo Agostino, Inhaber von Toni's Pizza. Als Dank für alle Mitarbeiter der Tafel findet jährlich im November ein gemütliches Abendessen statt.

Der gesamte Betrieb der Gaggenauer Tafel findet dank dem Entgegenkommen des Mercedes-Benz-Werk Gaggenau in der Unimogstraße 1 statt. Seit Oktober konnte nun auch der Tafelladen in die Unimogstraße verlegt werden.

Gaggenauer Tafel besteht seit zehn Jahren / Kreis der Unterstützer wächst immer weiter

Gesprächsrunde beim Tafel-Jubiläum: Ulrike Tobisch-Kohlbecker, Hugo Merkel, Gudrun Heitz, Kathrin Hondl, Wolfrath Zablensky und Josef Hartmann

presse instrument zur linderung der armut

Mit einem "informativen Mittagessen" mit Mitarbeitern und Sponsoren feierte die Gaggenauer Tafel im Gemeindesaal von St. Josef ihr zehnjähriges Bestehen.

In seiner Ansprache stellte der Vorsitzende Josef Hartmann fest, die Tafel sei inzwischen zu einer "unverzichtbaren Bewegung zur Linderung der Armut und zur Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung im Murgtal geworden". Zwischen 80 und hundert Tonnen an Lebensmitteln würden derzeit pro Jahr an Bedürftige verteilt. Das gestalte den Speiseplan der Bedürftigen bunter und reicher und verschaffe den Notleidenden einen finanziellen Spielraum für bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dabei seien es nicht nur die wertvollen Lebensmittel, die die Tafel ihren Kunden gebe, vielmehr erführen die Kunden bei der Tafel auch Empathie. "Angenommen zu sein, zu wissen, man ist nicht vergessen, ist so wichtig wie das tägliche Brot".

An jedem der zwei Öffnungstage pro Woche kaufen derzeit rund 70 Kunden mit Berechtigungsschein ein. Dafür, dass sie sich hier mit Lebensmitteln versorgen können, sorgen rund 70 Tafelmitglieder, die sich jedes Jahr mit rund 12000 Arbeitsstunden ehrenamtlich engagieren.

Erfreut stellte Hartmann fest, dass in den zurückliegenden Jahren auch der Kreis der Spender und Unterstützer gewachsen sei. Eine von Kathrin Hondl moderierte Talkrunde gab anschließend Aufschluss über die Geschichte, die Funktionsweise und die Probleme der Gaggenauer Tafel. Ulrike Tobisch-Kohlbecker, die im Trägerverein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, erklärte, wie es zur Gründung der Gaggenauer Tafel kam.

Eine Frau, die bei der Rastatter Tafel einkaufte, hatte den damaligen DRK-Vorsitzenden Hans Jürgen Zink gefragt, weshalb es eine solche Einrichtung nicht auch in Gaggenau gebe.

Man nahm Kontakt auf mit Rastatt und nach entsprechenden Vorarbeiten konnten schließlich im November 2008 in den Räumen der ehemaligen Bäckerei Wilhelm in der Bahnhofstraße Verkaufsräume eröffnet werden, die zunächst noch als Außenstelle der Rastatter Tafel geführt wurden.

Eine Heimat fand man 2009 im DRK Ortsverein Gaggenau, der bereit war, die Trägerschaft zu übernehmen. 2014 löste sich die Gaggenauer Tafel endgültig aus der Rastatter Tafel heraus und die Trägerschaft ging in den Verein Murgtal Tafel Gaggenau über.

Über die alltägliche Arbeit der Tafel-Mitarbeiter und den Betrieb des Ladens in der Unimogstraße berichteten Hugo Merkel, einer der Fahrer, und Gudrun Heitz, eine der sechs Marktleiterinnen. Wie in allen Tafeln bundesweit habe in den Jahren 2016 und 2017 auch hier der Anteil der Flüchtlinge zugenommen, hieß es bei der Veranstaltung.

Mit dem Hinweis, dass die Zahl der Rentner und der Alleinerziehenden unter den Kunden der Gaggenauer Tafel in erschreckender Weise steigt, machte Josef Hartmann auch deutlich, dass durch die Versorgung von Flüchtlingen einheimische Bedürftige nicht verdrängt werden.