An festlichen geschmückten Tischen im Gemeindesaal St. Josef konnten 50 Gäste ein köstliches Abendessen genießen. Mimmo Agostino von Toni's Pizza Express fand für seine Idee, ein Essen für Bedürftige zu kochen, schnell die geeigneten Partner: Pfarrer Tobias Merz stellte den Gemeindesaal von St. Josef zur Verfügung und bat die Gaggenauer Tafel, die Organisation zu übernehmen. Kunden der Gaggenauer Tafel aus dem gesamten Murgtal sowie Flüchtlinge aus Bad Rotenfels erfreuten sich an Tomate Mozzarella und verschiedenen Salaten zur Vorspeise; danach gab es viererlei Nudelvariationen.

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Mit seiner Idee ein Abendessen für Bedürftige zu kochen, fand Mimmo Agostino von Toni’s Pizza Express schnell die geeigneten Partner: Pfarrer Tobias Merz stellte den Gemeindesaal St. Josef zur Verfügung und bat die Gaggenauer Tafel, die Organisation zu übernehmen. Am Dienstagabend den 22.12. nahmen nahezu 50 Gäste, darunter auch Flüchtlinge aus Bad Rotenfels, Platz an festlich gedeckten Tischen. Sie wurden musikalisch mit weihnachtlichen Weisen von Carola Krettenauer und Leo Herz in den Abend eingestimmt. Toni’s Menü umfasste Tomate-Mozzarella und verschiedenen Salate zur Vorspeise, als Hauptgericht gab es viererlei Nudelvariationen und zum Nachtisch Panettone. Die Getränke stiftete die Pfarrgemeinde St. Josef. Zusammen mit Pfarrer Merz, Diakon Matthias Richtzenhain, dem Gemeindeteam St. Josef und Vesna Grancic, zuständig für den Gemeindesaal sowie den Ehrenamtlichen der Gaggenauer Tafel, Josef Hartmann, Heidi Horcher, Jakob und Franziska Milich, Heide Rahner, Jürgen Schönfuß und Ulrike Tobisch-Kohlbecker wurden die Gäste bewirtet. In fröhlicher Runde konnten die Gäste dieses großzügige Geschenk von Toni’s Pizza Express genießen.

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"Flüchtlinge" sind derzeit das beherrschende Thema in unserer Gesellschaft. Auch der Einzugsbereich der Gaggenauer Tafel - von Bischweier bis Forbach und Loffenau - ist von dieser Situation betroffen. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ebenso wie Flüchtlinge zählen seit Tafel-Bestehen zu deren Nutzern. So auch bei der Gaggenauer Tafel. Im laufenden Jahr ist die Anzahl der Tafel-Kunden um fast 50 Prozent gestiegen. Von den gültigen Ausweisen sind 55 Prozent auf ständige Bewohner des Tafel-Einzugsgebiets und 45 Prozent auf Flüchtlinge ausgestellt. "Im Prinzip", so Josef Hartmann, Vorsitzender des Vereins Murtal Tafel Gaggenau e.V., "haben wir nahezu keine Schwierigkeiten. Ausnahme dabei ist das große Gedränge bei der Nummernausgabe, die den Einlass in den Tafelladen in der Bahnhofstraße regelt. Im Laden selbst ist der Ablauf geordnet. Bislang haben wir genügend Lebensmittel, obwohl die Kundenanzahl um nahezu die Hälfte gestiegen ist", erklärt Hartmann. Dennoch habe die Gaggenauer Tafel Bedarf an Sachspenden. Von einigen großzügigen Spenden-Lieferungen konnten die Tafel-Kunden bereits profitieren. Die Marktleiterinnen im Tafelladen freuen sich, wenn sie das Angebot um nicht verderbliche Lebensmittel erweitern können. Gefragt sind Mehl, Zucker, Salz, Teigwaren, Reis, Essig, Öl, Konserven, Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, Kosmetikartikel, Malstifte, Blöcke, Kulis. Ausdrücklich weist die Gaggenauer Tafel darauf hin, dass alle Hilfsbedürftige gleichermaßen bedient und nicht Arme gegen Arme ausgespielt werden.

Der Flüchtlingsansturm stellt die Tafeln im Land vor große Herausforderungen. Vielerorts hat sich die Zahl der Bedürftigen durch den neuen Kundenkreis fast verdoppelt. Die Folge: Die Waren werden knapp. Denn naürlich liegen nicht mehr Butter, Brot und Wurst in den Regalen als sonst auch. Auch stoßen die ehrenamtlichen Verkäuferinnen in den Läden an ihre Grenzen, haben oft große Probleme, sich mit den Flüchtlingen zu verständigen. Das führt unweigerlich zu Spannungen. Die Stammkunden fahren die Ellbogen aus, es wird gepöbelt, geschubst, mitunter sogar gehauen.

Von solchen Zuständen ist die Gaggenauer Tafel zum Glück weit entfernt. Auch wenn es vor der Ladentür in der Bahnofstraße mal ein Gedränge geben kann, zu Handgreiflichkeiten ist es noch nicht gekommen, berichtet Tafelchef Josef Hartmann. Futterneid in Gaggenau? Fehlanzeige. Die bisherigen Kunden reagieren gelassen auf die Flüchtlinge, was sicher auch daran liegt, dass die Lebensmittel bislang ausreichen. Wie lange allerdings der Bedürftige den Laden noch mit einer vollen Einkaufstüte verlassen kann, ist noch nicht ausgemacht.

Noch profitiert die Gaggenauer Tafel von einem guten Netwerk aus Discountern, Lebensmittelhändlern, Bäckereien und hilfsbereiten Bürgern. Und natürlich ist der Kreis der Bedürftigen weitaus kleiner und birgt weniger Konfliktpotenzial als in Großstädten. Dort schrecken die Tafeln selbst vor drastischen Maßnahmen, wie einem Aufnahmestopp für Flüchtlinge, nicht zurück. Auch Sonderöffnungszeiten für Flüchtlinge, angeblich aus "praktischen Gründen", kommen vor. Soweit darf es in Gaggenau nicht kommen. Bedürftige haben ein Recht, die Tafel zu besuchen, die Herkunft muss dabei völlig egal sein.

Der Kundenkreis im Gaggenauer Laden erweitert sich rasant / Angebot ist ausreichend

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Mehr Weissbrot, weniger Wurst: Viele Flüchtlinge nutzen das Angebot der Gaggenauer Tafel und besuchen den Laden in der Bahnhofstraße - mit etwas anderen Vorlieben als die Stammkunden.

Die steigende Zahl der Flüchtlinge im Murgtal ist auch in der Gaggenauer Tafel zu spüren: Allein in diesem Jahr sind zu den 50 bisherigen Kunden, die an zwei Tagen der Woche kommen, rund 30 Flüchtlinge hinzugekommen, erklärt der Vorsitzende Josef Hartmann. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 50 Prozent. Weil mit den Lebensmitteln meist auch die Verwandten versorgt werden, profitieren zwischen 300 bis 400 Personen von den Einzelkäufen, betont der Vorsitzende.

Einen Engpass bei der Warenausgabe gibt es dennoch nicht. "Wir haben bislang keine Probleme, bei uns läuft es gut", bilanziert Hartmann. Lediglich vor der Türe herrsche mitunter ein wenig Gerangel. "Im Laden selbst läuft dann aber wieder alles geordnet ab." Vor dem Eingang des Tafelladens in der Bahnhofstraße werden die Kunden in zwei Gruppen aufgeteilt und bekommen gerade und ungerade Zahlen zugewiesen. Nicht jeder beherrsche das System. Vor allem die Sprachbarriere sei das Hauptproblem. Einen Dolmetscher, wie ihn sich andere Tafeln wünschen, sei in Gaggenau nicht notwendig. "Letztlich können wir uns immer irgendwie verständigen", sagt der Vorsitzende. Entsprechende Flyer über die Vorgehensweise in den Läden gebe es auch auf arabisch oder serbisch. Außerdem überlegt die Tafel, Piktogramme etwa für verschiedene Fleisch- und Wurstsorten über den Regalen anzubringen.

Zwar haben in den Vergangenen Jahren seit der Gründung der Tafel 2008 - damals noch im Verbund mit der Rastatter Tafel - immer mehr Einzelhändler und Discounter den Lieferantenpool vergrößert, und auch die Zahl der Geldspenden aus der Bevölkerung ist gestiegen. Die Sachspenden allerdings könnten ruhig mehr werden, wünscht sich das Gaggenauer Tafel-Team. Denn im Prinzip will sich die Tafel trotz des veränderten Kundenstamms treu bleiben: "Wir kaufen keine Ware, sondern sammeln die ein, die sonst weggeworfen wird", betont Hartmann. Denn es gehe darum, die Verschwendung von Lebensmitteln einzudämmen. Vor allem länger haltbare Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Salz, Teigwaren, Reis, Essig, Öl, Konverven, Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, aber auch Alltagsutensilien wie Kosmetikartikel, Malstifte, Blöcke oder Kulis sind gefragt.

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Reichhaltiges Angebot: Ehrenamtliche Helferinnen packen Kisten im Warenlager der Gaggenauer Tafel auf dem Daimler-Benz-Grundstück in der Unimogstraße.

Wie lange das Warenangebot für den erweiterten Kundenstamm noch ausreicht, sei schwer zu sagen. Hartmann ist aber zuversichtlich, dass auch künftig eine ausreichende Versorgung möglich ist. Zur Not müsste man die Ausgabe etwas einschränken. Grundsätzlich, das betont der Tafelchef, unterscheide man nicht zwischen den Nationalitäten. Es zähle allein die Bedürftigkeit.

Voraussetzung, um bei der Tafel einen Berechtigungsausweis zu erhalten, ist der Nachweis der Bedürftigkeit durch einen Bescheid des Sozialamts. Flüchtlinge müssten eine Bescheinigung der Erstaufnahmestelle vorlegen. Dabei werde die Gültigkeit ständig geprüft. Die ehrenamtlichen Tafelmitarbeiter freuen sich über den erweiterten Kundenkreis: "Wir spüren eine große Dankbarkeit unter den Flüchtlingen", sagt Hartmann.