Der Flüchtlingsansturm stellt die Tafeln im Land vor große Herausforderungen. Vielerorts hat sich die Zahl der Bedürftigen durch den neuen Kundenkreis fast verdoppelt. Die Folge: Die Waren werden knapp. Denn naürlich liegen nicht mehr Butter, Brot und Wurst in den Regalen als sonst auch. Auch stoßen die ehrenamtlichen Verkäuferinnen in den Läden an ihre Grenzen, haben oft große Probleme, sich mit den Flüchtlingen zu verständigen. Das führt unweigerlich zu Spannungen. Die Stammkunden fahren die Ellbogen aus, es wird gepöbelt, geschubst, mitunter sogar gehauen.

Von solchen Zuständen ist die Gaggenauer Tafel zum Glück weit entfernt. Auch wenn es vor der Ladentür in der Bahnofstraße mal ein Gedränge geben kann, zu Handgreiflichkeiten ist es noch nicht gekommen, berichtet Tafelchef Josef Hartmann. Futterneid in Gaggenau? Fehlanzeige. Die bisherigen Kunden reagieren gelassen auf die Flüchtlinge, was sicher auch daran liegt, dass die Lebensmittel bislang ausreichen. Wie lange allerdings der Bedürftige den Laden noch mit einer vollen Einkaufstüte verlassen kann, ist noch nicht ausgemacht.

Noch profitiert die Gaggenauer Tafel von einem guten Netwerk aus Discountern, Lebensmittelhändlern, Bäckereien und hilfsbereiten Bürgern. Und natürlich ist der Kreis der Bedürftigen weitaus kleiner und birgt weniger Konfliktpotenzial als in Großstädten. Dort schrecken die Tafeln selbst vor drastischen Maßnahmen, wie einem Aufnahmestopp für Flüchtlinge, nicht zurück. Auch Sonderöffnungszeiten für Flüchtlinge, angeblich aus "praktischen Gründen", kommen vor. Soweit darf es in Gaggenau nicht kommen. Bedürftige haben ein Recht, die Tafel zu besuchen, die Herkunft muss dabei völlig egal sein.

Der Kundenkreis im Gaggenauer Laden erweitert sich rasant / Angebot ist ausreichend

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Mehr Weissbrot, weniger Wurst: Viele Flüchtlinge nutzen das Angebot der Gaggenauer Tafel und besuchen den Laden in der Bahnhofstraße - mit etwas anderen Vorlieben als die Stammkunden.

Die steigende Zahl der Flüchtlinge im Murgtal ist auch in der Gaggenauer Tafel zu spüren: Allein in diesem Jahr sind zu den 50 bisherigen Kunden, die an zwei Tagen der Woche kommen, rund 30 Flüchtlinge hinzugekommen, erklärt der Vorsitzende Josef Hartmann. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 50 Prozent. Weil mit den Lebensmitteln meist auch die Verwandten versorgt werden, profitieren zwischen 300 bis 400 Personen von den Einzelkäufen, betont der Vorsitzende.

Einen Engpass bei der Warenausgabe gibt es dennoch nicht. "Wir haben bislang keine Probleme, bei uns läuft es gut", bilanziert Hartmann. Lediglich vor der Türe herrsche mitunter ein wenig Gerangel. "Im Laden selbst läuft dann aber wieder alles geordnet ab." Vor dem Eingang des Tafelladens in der Bahnhofstraße werden die Kunden in zwei Gruppen aufgeteilt und bekommen gerade und ungerade Zahlen zugewiesen. Nicht jeder beherrsche das System. Vor allem die Sprachbarriere sei das Hauptproblem. Einen Dolmetscher, wie ihn sich andere Tafeln wünschen, sei in Gaggenau nicht notwendig. "Letztlich können wir uns immer irgendwie verständigen", sagt der Vorsitzende. Entsprechende Flyer über die Vorgehensweise in den Läden gebe es auch auf arabisch oder serbisch. Außerdem überlegt die Tafel, Piktogramme etwa für verschiedene Fleisch- und Wurstsorten über den Regalen anzubringen.

Zwar haben in den Vergangenen Jahren seit der Gründung der Tafel 2008 - damals noch im Verbund mit der Rastatter Tafel - immer mehr Einzelhändler und Discounter den Lieferantenpool vergrößert, und auch die Zahl der Geldspenden aus der Bevölkerung ist gestiegen. Die Sachspenden allerdings könnten ruhig mehr werden, wünscht sich das Gaggenauer Tafel-Team. Denn im Prinzip will sich die Tafel trotz des veränderten Kundenstamms treu bleiben: "Wir kaufen keine Ware, sondern sammeln die ein, die sonst weggeworfen wird", betont Hartmann. Denn es gehe darum, die Verschwendung von Lebensmitteln einzudämmen. Vor allem länger haltbare Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Salz, Teigwaren, Reis, Essig, Öl, Konverven, Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, aber auch Alltagsutensilien wie Kosmetikartikel, Malstifte, Blöcke oder Kulis sind gefragt.

presse ehrenamtliche helferinnen packen kisten

Reichhaltiges Angebot: Ehrenamtliche Helferinnen packen Kisten im Warenlager der Gaggenauer Tafel auf dem Daimler-Benz-Grundstück in der Unimogstraße.

Wie lange das Warenangebot für den erweiterten Kundenstamm noch ausreicht, sei schwer zu sagen. Hartmann ist aber zuversichtlich, dass auch künftig eine ausreichende Versorgung möglich ist. Zur Not müsste man die Ausgabe etwas einschränken. Grundsätzlich, das betont der Tafelchef, unterscheide man nicht zwischen den Nationalitäten. Es zähle allein die Bedürftigkeit.

Voraussetzung, um bei der Tafel einen Berechtigungsausweis zu erhalten, ist der Nachweis der Bedürftigkeit durch einen Bescheid des Sozialamts. Flüchtlinge müssten eine Bescheinigung der Erstaufnahmestelle vorlegen. Dabei werde die Gültigkeit ständig geprüft. Die ehrenamtlichen Tafelmitarbeiter freuen sich über den erweiterten Kundenkreis: "Wir spüren eine große Dankbarkeit unter den Flüchtlingen", sagt Hartmann.

Zahl der Kunden im Tafelladen steigt um 50 Prozent / Keine Ausschreitungen bei Warenausgabe

Futterneid, ausgefahrene Ellenbogen an der Lebensmitteltheke und Fremdenfeindlichkeit: Was sich in manchen Städten Deutschlands in Tafelläden abspiele, gelte nicht für den in Gaggenau, berichtet Josef Hartmann. Er ist Vorsitzender des Vereins Murgtal-Tafel Gaggenau und verantwortlich für den Laden am Bahnhofsvorplatz. Hartmann stellt allerdings auch fest: "Durch den Flüchtlingszuzug ist die Anzahl der Kunden um rund 50 Prozent gestiegen."

presse zahl der kunden steigt um 50 prozent

Jeden Dienstag und Freitag öffnet die Gaggenauer Tafel ihren Laden für Bedürftige. Alles in ihm ähnelt einem normalen Supermarkt: Einkaufskörbe stehen bereit, um Obst und Gemüse, Nudeln und Milchprodukte darin zu transportieren. In einer Ecke des Ladens steht eine große Theke mit Backwaren vom Vortag. Und ehe die Kunden den Laden verlassen, müssen sie ihre Produkte an einer Kasse bezahlen. Bisher kamen an den beiden Tagen jeweils 50 Menschen aus dem Einzugsgebiet Bischweier über Forbach und Loffenau. Mit den Flüchtlingsunterkünften im Murgtal habe sich die Anzahl an Tafelkunden nun fast verdoppelt. Von den gültigen Ausweisen, die zum Einkauf berechtigen, sind laut Hartmann derzeit 55 Prozent auf ständige Bewohner des Tafel-Einzugsgebiets ausgestellt und 45 Prozent auf Flüchtlinge. "Zur Hälfte haben die, die zu uns kommen, auch noch Familie. Das heißt 300 bis 400 Personen mehr profitieren vom Einkauf", erklärt Hartmann, dessen Verein 70 Ehrenamtliche beschäftigt.

So strukturiert, wie es derzeit im Tafelladen zugehe, sei es nicht immer gewesen. Zu Beginn der Flüchtlingskrise wurde auch vor dem Gaggenauer Laden gedrängelt, um am schnellsten an die Lebensmittel zu kommen. "Der Personenkreis ist es gewohnt zu drängeln, um irgendwo reinzukommen", meint der Vorsitzende und weist auf die Anreisesituation der Flüchtlinge hin. Die Mitarbeiter der Tafel haben daraufhin einen Plan ausgearbeitet. Die Bedürftigen wurden in zwei Gruppen eingeteilt, eine kommt um 13 Uhr, die andere eine Stunde später. Die ehrenamtlich tätigen Markthelferinnen, die zu dritt jeweils die Kunden bedienen, haben Nummer-Karten angefertigt - von eins bis 50 -, die sie durchmischen und dann unter den Wartenden verteilen. Nach und nach dürfen sie dann den Laden betreten: "So kommt jeder mal als Erster dran", freut sich Ulrike Tobisch-Kohlbecker über das gut funktionierende System. Sie ist bei dem Gaggenauer Tafelverein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Noch gebe es für jeden Kunden ausreichend Lebensmittel, "doch wir sind im Grenzbereich", sagt Hartmann, der 2010 die Leitung übernommen hat. Die Verpflichtung zur Anschlussunterbringung der Flüchtlinge werde sich auch künftig bei der Tafel bemerkbar machen.

Während viele Tafeln Dolmetscher fordern würden, könnten sich die Gaggenauer und die Flüchtlinge auch gut mit Gebärdensprache verständigen. Zudem überlegen die Mitarbeiter, durch Piktogramme die Lebensmittel zu kennzeichnen. An der Kühltheke könnte dann ein Bild eines Schweins als Warenkennzeichnung angeklebt werden. Dringender als einen Dolmetscher bräuchte der Verein Sachspenden. Denn anders als Kleiderkammern, die mitunter gut gefüllt sind, sei die Spendenbereitschaft der Bevölkerung gegenüber den Tafelläden bisher nicht gewachsen, so Hartmann. Das hat zur Folge, dass immer mehr Menschen auf eine gleichbleibende Menge an Lebensmitteln zurückgreifen müssen. Der Verein würde sich deshalb insbesondere über gespendete Lebensmittel freuen, die ein langes Haltbarkeitsdatum haben wie Mehl, Reis, Kaffee oder Konserven.

Mit dem Ergebnis von 374 Tüten für die Gaggenauer Tafel, Murgtal Tafel Gaggenau, endete die dritte Edeka-Südwest-Sammelaktion, an der sich Huck in Gaggenau und Hörden, Fitterer in Weisenbach und Treff in Gaggenau sowie das EKZ Kuppenheim beteiligt haben.

Allein 165 Tüten konnte der Tafel-Wagen im EKZ abholen, wo sich Josef Hartmann, Vorsitzender des Tafelvereins, bei Nicolai Bär, dem Center-Leiter bedankte. Verantwortlich für die Durchführung der Aktion im EKZ waren die beiden Auszubildenden Nadja Frizorgher und Ismail Karalan.

In den Tüten, die die Kunden für fünf Euro zugunsten der Tafel kauften, waren Lebensmittel wie Gemüsebrühe, Bohnen Tomatensuppe, Pflanzenöl und Schokolade. Edeka Südwest spendet zusätzlich zur Aktion 25 000 Euro an die Tafeln. In Anerkennung "des vorbildlichen Einsatzes des Engagements der Edeka-Kaufleute und des Handelsunternehmens" überreichte Rolf Göttner, Vorsitzender des Landesverbandes der Tafeln in Baden-Württemberg, kürzlich den "Tafel-Teller 2014" an das Unternehmen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Mit dem Ergebnis von 374 Tüten für die Gaggenauer Tafel, Murgtal Tafel Gaggenau e.V., endete die dritte EDEKA-Südwest-Sammelaktion, an der sich Huck in Gaggenau und Hörden, Fitterer in Weisenbach und Treff in Gaggenau sowie das EKZ Kuppenheim beteiligten. Allein 165 Tüten konnte der Tafel-Wagen im EKZ abholen, wo sich Josef Hartmann, Vorstand des Tafel-Vereins, bei Nicolai Bär, dem Center Leiter bedankte. In den Tüten, die die Kunden für 5 Euro zugunsten der Tafel kauften, waren Lebensmittel wie Gemüsebrühe, Brechbohnen, Tomatensuppe, Planzenöl, Spaghetti, und Schokolade. EDEKA-Südwest spendet zusätzlich zur Aktion 25.000 Euro an die Tafeln. In Anerkennung "des vorbildlichen Einsatzes des Engagements der EDEKA-Kaufleute und des Handelsunternehmens" überreichte Rolf Göttner, Vorsitzender des Landesverbandes der Tafeln in Baden-Württemberg e.V., kürzlich den "Tafel-Teller 2014" an das Unternehmen.

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Auf dem Bild v.l.: Josef Hartmann, Vorsitzender der Gaggenauer Tafel, Nadja Frizorgher, Auszubildende, Nicolai Bär, EKZ Center-Leiter